Lastmanagement für KMU



Aufgrund der aktuellen politischen Zielsetzung im Klimaschutz sowie der aktuellen energiepolitischen Rahmenbedingungen entstehen neue Möglichkeiten für KMU im Zuge der Energiewende Erlöse am Strommarkt zu generieren. Durch den Ausbau von erneuerbaren Energien und der damit verbundenen schwankenden dezentralen Energieeinspeisung ins Verteilnetz resultiert ein lokaler Flexibilisierungsbedarf, um regionale Stromüberschüsse oder Versorgungsengpässe auszugleichen. KMU können mit den entstehenden Flexibilisierungsoptionen nicht nur einen Beitrag zur Energiewende beitragen, indem Sie die Stabilisierung der Stromversorgung unterstützen sondern auch wirtschaftlich davon profitieren und neue Geschäftsfelder erschließen.


Betriebliches Lastmanagement:

Hierzu dient das Lastmanagement, welches durch eine intelligente automatisierte Steuerung von Energieverbrauch und –Erzeugung einzelner Anlagen gezielt betriebliche Lastspitzen verringern und überbetriebliche Schwankungen im Stromnetz ausgleichen kann. Durch die automatisierte Flexibilisierung, bzw. automatisierte flexible Steuerung von Lasten, kann das Netz bei Bedarf durch Zuschalten oder Verringern, bzw. Verschieben von Lasten, stabilisiert werden und Preisschwankungen am Strommarkt genutzt werden.


Eine Reduzierung der kostenintensiven betrieblichen Lastspitzen ist aber auch ohne eine automatisierte Steuerung möglich. Nämlich durch individuelle Anpassungen im Betrieb auf Grundlage von Informationen einer Lastganganalyse (dazu benötigte Lastprofildaten werden ab einem Verbrauch von 100.000 kWh/a ausgegeben) oder der einfachen Auslesung Ihrer Stromzähler in Echtzeit durch spezielle Datenlogger. Diese Werkzeuge ermöglichen eine Aufschlüsselung Ihres Energieverbrauchs und können somit die Grundlage für weitere Optimierungen bilden. Beispielsweise können Sie mit der gewonnenen Datengrundlage, neben der reinen Glättung Ihres Lastprofils, eine maßgeschneiderte Auslegung einer PV-Anlage ermöglichen.


Unser Team hilft Ihnen bei den ersten Schritten und unterstützt Sie beispielsweise dabei Ihre Stromzähler mithilfe spezieller smarter Datenlogger auszulesen und den Stromverbrauch in Echtzeit zu visualisieren. So können Sie hohe Energieverbraucher identifizieren und Ihre Stromkosten senken. Gerne finden wir für Sie die passenden Auslesegeräte, die mit Ihren Stromzählern kompatibel sind. Je nach Bedarf können Sie die Geräte bei uns mieten oder käuflich erwerben. Wenn Sie die Daten zu Ihrem Lastprofil bereits vorliegen haben, unterstützen wir Sie gerne bei der Lastganganalyse.


Überbetriebliches Lastmanagement:

Die durch ein betriebliches Lastmanagement vorhandenen Mess- und Regelungseinrichtungen können meist durch Erweiterung auch für ein überbetriebliches Lastmanagement verwendet werden. So können KMU Ihre flexibel schaltbaren Lasten am Regelenergiemarkt als Sekundärregelleistungen oder Minutenreserven anbieten. Beispielsweise ermöglicht die Abschaltverordnung (AbLaV) Unternehmen, durch die gezielte, ferngesteuerte Leistungsschaltung ihrer Verbrauchsprozesse das Stromnetz zu entlasten. Diese beiden Leistungen werden von Stromnetzbetreibern benötigt um das Stromnetz ins Gleichgewicht zu bringen, wenn Angebot und Nachfrage unvorhergesehene Schwankungen aufweisen.


Flexibilitätsoptionen am Regelenergiemarkt:

Durch eine Präqualifikation der betrieblichen Voraussetzungen können die flexibel schaltbaren Lasten und Stromerzeugungsanlagen wie KWK-Anlagen allein oder durch externe Dienstleister in Form von „Pooling“ vermarktet werden. Im Gegensatz zur Strombörse, wo die Stromlieferungen zur Deckung der Nachfrage gehandelt werden, wird am Regelenergiemarkt mit Verpflichtungen zur Bereitstellung von Strom bei Bedarfsfällen gehandelt. Um diese Verpflichtungen eingehen zu können werden Prozesse benötigt, welche über Wärme- oder Kältepuffer verfügen und somit bei kurzfristiger Abschaltung oder zeitlicher Verschiebung keine Qualitätseinbüße oder Energieverluste zu verzeichnen haben.


- Prozesswärme und Prozesskälte

- Raumwärme und Klimatisierung

- Querschnittstechnologien (Motoren, Pumpen, Druckluftanlagen)

- Energieintensive Branchen, wie z.B.:

o Papier- und Druckindustrie

o Chemie-, Stahl-, Glasindustrie

o Metallindustrie (Aluminium-, Kupfer-, Zink-, Chlorelektrolyse)

o KFZ- und Baustoffindustrie (Zement- und Rohmühlen)

o Nahrungsmittelindustrie

o Klärwerke


Motivation zur Implementierung eines Lastmanagements:

Neben der Kostenersparnis, welche durch eine Glättung der betrieblichen Lastspitzen resultiert, sollten vor allem der Ausbau von erneuerbaren Energien und die sich daraus entwickelnden Veränderungen des Stromnetzes im Fokus stehen. Das Ziel der Bundesregierung ist es bis 2050 den Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 80% zu erhöhen. Aufgrund der dadurch entstehenden Unregelmäßigkeiten im Stromfluss wird der Bedarf an Flexibilitätsoptionen stets weiter wachsen und zu einem interessanten nachhaltigen Geschäftsmodell für KMU werden.


Implementierung eines überbetrieblichen Lastmanagements:

Wenn bisher kein Lastmanagement am Standort vorhanden ist, sollte bei Implementierung eines Systems sowohl auf die mögliche Nutzbarkeit für betriebliches als auch für ein überbetriebliches Lastmanagement geachtet werden. Als Grundlage zur Implementierung eines Lastmanagements sollte ein Energiemanagementsystem vorhanden sein, welches die Hauptverbraucher im Unternehmen identifiziert, Energieeffizienzmaßnahmen plant und diese den wirtschaftlichen Vermarktungsmöglichkeiten von Flexibilitätsoptionen gegenübergestellt.

Falls Sie bei der Implementierung eines Energiemanagements oder dem Auslesen und Auswerten Ihrer Lastdaten Unterstützung benötigen sollten, stehen wir gerne zur Verfügung.



Autor: Markus Hankammer

08. August 2022


Relevante Links zum Thema:

https://www.next-kraftwerke.de/

https://www.dena.de/themen-projekte/energiesysteme/stromnetze/systemdienstleistungen/

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